Aber was dann?

DI.Day

Vermutlich hast du bereits vom Digital Independence Day gehört, bei dem an jedem ersten Sonntag im Monat demokratiefreundliche digitale Alternativen zu den übergroßen amerikanischen Monopolen aufgezeigt werden sollen. Es geht aber ganz grundsätzlich darum Abhängigkeiten aufzulösen und wieder Eigentümer der eigenen Daten zu werden. Das ist zwar besonders relevant für staatliches Wirken und Unternehmen, denen ein einzelner Oligarch über Nacht das Geschäft ruinieren kann indem E-Mail, Cloud oder Infrastruktur abgeschaltet wird, sollte aber auch jedem Einzelnen zu denken geben. Was, wenn Meta deine Konten sperrt und du plötzlich Facebook, Instagramm, Threads und WhatsApp nicht mehr nutzen kannst? Das lässt sich auf jeden Bereich unseres digitalen Lebens anwenden, egal welche Hardware und Software dir dein Leben erleichtern. Apple (iPhone, iCloud), Google (Android, Google Drive), Amazon (Kindle, AWS), Microsoft (Windows, OneDrive) und das sind nur die offensichtlichsten. Die Liste ist sehr viel länger als du glaubst und die Liste der Anwendungen jedes der genannten Unternehmen ist ebenfalls erschreckend lang. Viel zu viel Stoff für einen Blog Beitrag, damit ließen sich Bücher füllen.

Warum dann Microsoft?

Weil beinahe jeder Mensch, zumindest wenn er einen PC nutzt, von Microsoft abhängig ist und es in jüngster Geschichte einige Beispiele gab, welche das gut illustrieren. Beispielsweise hat, nachdem der Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu Haftbefehl erlassen hat, der amerikanische Präsident Donald Trump das Den Haager Gericht sanktioniert. Daraufhin hat Microsoft das Mail-Konto des Chefanklägers Karim Khan des Internationalen Gerichtshofs blockiert. Wenn Microsoft Konten sperrt, können sich Menschen nicht mehr an ihrem eigenen PC anmelden, wenn der denn mit diesem Konto verknüpft ist. Dazu reicht oft bereits ein einzelnes Foto in einem OneDrive Ordner.

Anwendungssoftware

Einzelne Anwendungen lassen sich noch recht einfach ersetzen. Das Problem ist meist nicht, dass es keinen Ersatz gibt, sondern die Gewohnheit. Wir vermeiden Veränderungen wenn möglich, dabei wird dem Menschen im Allgemeinen doch eine besonders große Neugier nachgesagt. Das gilt aber vornehmlich für unbekannte, neue Dinge und selten für den Wechsel eingespielter Verhaltensweisen. Dabei sind wir besonders gut darin Gründe (Ausreden) zu formulieren, die eigentlich nur dazu dienen unserer inneren Stimme Einhalt zu gebieten. Denn eigentlich wissen wir, dass es lediglich einen ersten Schritt braucht. Microsoft ist sehr innovativ, wenn es darum geht uns an sich zu binden. Wäre der Austausch einer Software für Videokonferenzen, Videotelefonie und Chat (Microsoft Teams) oder eines Personal Information Manager (PIM) und E-Mail Programms (Microsoft Outlook) keine große Angelegenheit, bündelt der Konzern diese als All-In-One Lösung und verschiebt sie in die Cloud und bindet sie damit an ein Microsoft Konto. Es ist nicht nur aufwändiger solch eine Ansammlung zu ersetzen, Microsoft macht es damit auch schwieriger die eigenen Daten da wieder herauszulösen.

Betriebssystem

Wenn wir uns der Aufgabe stellen uns vom Würgegriff des Konzerns aus Redmond zu lösen, sollten wir allerdings Nägel mit Köpfen machen, den das Betriebssystem (Windows) ist der eigentliche Türsteher. Mit jedem Update versucht Microsoft uns die Anmeldung mit einem lokalen Konto schwerer zu machen bzw. uns auszutricksen das bestehende lokale Konto in ein Microsoft Konto umwandeln zu lassen. Werbung hält Einzug auf unserem Computer, wir werden ausgespäht und mit ungefragt installierter Software "beglückt" die sich oft nur schwer wieder loswerden lässt.

Das Betriebssystem auszutauschen ist natürlich eine Herausforderung und ich würde dir empfehlen zunächst eine Dual-Boot Konfiguration zu wählen, die es erlaubt beim Starten deines PC oder Notebooks auswählen zu können ob Windows oder das neue Betriebssystem starten soll. Aber was sollte dieses neue Betriebssystem sein?

Alternativen

Es geht um Unabhängigkeit und so fallen Apple (MacOS) und Google (ChromeOS) bereits aus. Es gibt noch einige Optionen, aber rational wird es eine Linux Distribution werden. Nur welche? Wie soll man sich bei der Masse an existierenden Linux Distributionen entscheiden? Bereits die grundlegenden Geschmacksrichtungen (Suse, Slackware, Mandriva, Red Hat, Fedora, Gentoo, Ubuntu, Knoppix, Debian und Arch) sind für den Laien unübersichtlich und es gibt hunderte die auf diesen aufbauen. Gehen wir vom durchschnittlichen Windows Benutzer aus, welcher üblicherweise auch keine Idee davon hatte wie sein Betriebssystem funktioniert. Es sollte einfach zu bedienen sein, im besten Fall ähnlich wie das gewohnte Windows, stabil in Betrieb und Aktualisierung und hilfreich wäre noch eine möglichst große Nutzerbasis um bei einer Fehlersuche im Netz die Möglichkeit Hilfe zu finden zu erhöhen. Als nächstes ist natürlich relevant wie "die Kiste" benutzt wird. Was wird darauf laufen und mit welcher Priorität ist welche Funktionalität hervorzuheben?

Eine reine "Spielkonsole" ist sicher mit SteamOS gut bedient. Kommen weitere Anwendungen dazu, ist sicher CachyOS eine Option. Mir ist bei den Beiden allerdings nicht ganz wohl. Wird es bei Fehlermeldungen nicht schnell wieder auf meinem Tisch liegen? Es handelt sich um Arch Derivate! Dann das andere Extrem, Debian? Oder etwas aktueller mit Ubuntu? PopOS bietet guten Support von Grafikkarten, Zorin OS lässt sich im Desktop-Layout an MacOS und Windows anpassen. Ubuntu selbst oder vielleicht Linux Mint?

Linux Mint

Vor ein paar Monaten wäre meine Empfehlung ganz eindeutig immer auf Linux Mint herausgelaufen. Basierend auf Ubuntu LTS (long term support) war das eine sichere Bank. Zuletzt hat Canonical (Sponsor von Ubuntu) allerdings einige Entscheidungen getroffen, die mich nachdenklich zurück lassen, da sie sich früher oder später auch auf Derivate auswirken werden. Um dieser Abhängigkeit entgegenzuwirken hat das Linux Mint Projekt aber bereits eine Linux Mint Debian Edition (LMDE) ins Leben gerufen. Das muss dann abgewogen werden. LMDE (Download) ist die sichere Alternative, während das auf Ubuntu basierende Mint (Download) einige Werkzeuge liefert, die unter Debian fehlen. Einen Office PC in der Familie würde ich heute sicher auf LMDE portieren, währen mein eigenes Notebook im Dual-Boot noch auf Ubuntu Mint startet. Ich werde zur Dual-Boot Installation noch einen eigenen Beitrag veröffentlichen, der als Schritt für Schritt Anleitung auch weniger versierten Windows Nutzern die Installation ermöglicht.


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